Deutsch-Französisches Doktorandenkolleg

Zum Januar 2023 hat das deutsch-französisches Doktorandenkolleg in den Nachhaltigkeitswissenschaften begonnen. Es wird gemeinsam von der Université des technologie de Troyes und der Hochschule Darmstadt ausgerichtet. Das Doktorandenkolleg wird von der Deutsch-Französischen Hochschule für vier Jahre gefördert. Es ist ausgerichtet auf die Etablierung deutsch-französischer Zusammenarbeit im Bereich der Nachwuchsförderung im Themenfeld der Nachhaltigkeitswissenschaften und vernetzt sich mit einer europäischen Perspektive mit den Partnern der European University of Technology EUt+.

Das Forschungsfeld der Nachhaltigkeitswissenschaften hat sich in den vergangenen Jahren angesichts globaler Herausforderungen wie beispielsweise Anpassung an Klima- und Umweltveränderungen, mögliche Verknappungen etwa bei der Versorgung mit Energie und Wasser, Innovationen bei Schlüsseltechnologien, internationale Wettbewerbsfähigkeit oder auch Gerechtigkeitsfragen weltweit etabliert. Antworten auf die Fragen im Zusammenhang mit diesen Themen lassen sich nur gemeinsam und gesamthaft entwickeln. Die Lösung von Umweltproblemen und gesellschaftlichen Herausforderung kann keine rein technische Aufgabe sein. Aus diesem Grund integrieren die Nachhaltigkeitswissenschaften mehrere Wissenschafts- und Forschungszweige, um Erkenntnisse für gesellschaftliche, sozio-ökonomische, ingenieur- (bzw. technik-) und naturwissenschaftliche Herausforderungen im Sinne eines „social shaping of technology" zu gewinnen. Hierbei besteht ein wesentlicher Anspruch darin, einzelne Problemlagen nicht aus disziplinär getrennten Perspektiven zu betrachten, sondern eine gesamthafte integrierende Betrachtung des komplexen Wirkungsgefüges von Umwelt und Gesellschaft (auf Individualebene wie auch gesamtgesellschaftlicher Ebene) zu ermöglichen. Dies erfordert eine grundlegend neue Betrachtung von Technologien und eine veränderte Ausbildung von Menschen dafür Innovationen in diesem Sinne hervorzubringen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die Nachhaltigkeitswissenschaften mit den Wechselwirkungen zwischen globalen, sozialen und menschlichen Systemen, den komplexen Mechanismen, die zur Beeinträchtigung dieser Systeme führen, und den damit verbundenen Risiken für das menschliche Wohlergehen befassen.

Das im Doktorandenkolleg behandelte wissenschaftliche Themenfeld zielt auf die Ausbildung in den Wissenschaften der Nachhaltigkeit ab, um die anthropologischen Praktiken, insbesondere die technologischen, zu verändern. Die ausgebildeten Doktorand:innen sollen in der Lage sein, mit wissenschaftlichen Erkenntnissen innovativ umzugehen und ihre ökologische, menschliche und soziale Verantwortung zu entwickeln.

Das Kolleg ist eine gemeinsame Arbeit der Université de technologie de Troyes und Hochschule Darmstadt in Verbindung mit Gastwissenschaftlern der EUt+:

Hochschule Darmstadt

Prof. Dr.-Ing. Nicole Saenger

Prof. Dr.-Ing. Dirk Geyer

Prof. Dr. Christina Graf

Prof. Dr. Romana Piat

Prof. Dr. Lars Rademacher

Université de technologie de Troyes

Prof. Eric Chatelet

Dr. Tatiana Reyes

Dr. Junbeum Kim

Dr. Sabrina Brullot

Dr. Pauline Marty

Dr. Antoine Grall

Ziel ist es, gleichzeitig länder-, disziplinen- und kulturübergreifend den wissenschaftlichen Nachwuchs durch verschiedene Maßnahme zu fördern und - auch langfristig - die wissenschaftliche Betreuung von Promovierenden im Themenfeld der Nachhaltigkeitswissenschaften zu stärken. Damit soll die Grundlage für ein europäisches Ausbildungs- und Forschungsnetzwerk geschaffen werden.

Das Ausbildungsprogramm zielt darauf ab:

  • die begrenzten Möglichkeiten des Planeten Erde verstehen,
  • Nachhaltigkeitsaspekte nach Dimensionen zu verstehen (von global bis lokal),
  • die Auswirkungen der Technologie auf die Umwelt (sozial und ökologisch) in Abhängigkeit von den möglichen technologischen Entwicklungspfaden zu verstehen und mögliche Zielkonflikte erkennen,
  • die Herausforderungen der Inter- und Transdisziplinarität zu kennen (Definition und Umsetzung in der Forschung).

Im Rahmen des Angebots für Promovierenden werden verschiedene hybride gemeinsame Veranstaltungsformate entwickelt, die Präsenzangebote und virtuelle Lehrkomponenten enthalten. Die Entscheidungen zur Gestaltung und Durchführung werden unter Betrachtung der Aspekte Lernleistung, finanzielle Kosten und ökologische Kosten getroffen:

  • Workshops und gemeinsame Kurse zu sprachlichen und interkulturellen Kompetenzen,
  • Seminare und Konferenzen zu inter- und transdisziplinären Fragestellungen,
  • in Ergänzung dazu wird Promovierenden der Zugang zu disziplinären Lehrmodulen der Hochschulen in Frankreich und Deutschland geboten. Dies dient dazu, den Teilnehmerinnen interdisziplinäre Perspektiven zu eröffnen und hierfür fachliche Fundierungen sicherzustellen,
  • Mobilitätsförderung von Doktoranden und Gastdozenten.

In die Ausgestaltung der Angebote werden Promovierende und betreuende Wissenschaftler gemeinsam eingebunden, sodass Aspekte des Wissenschaftsmanagements mit interdisziplinärer Forschung sowie ganzheitliche Förderung und Ausbildung von Nachwuchswissenschaftlern sichergestellt werden. Nachwuchswissenschaftler werden beim Erlernen der französischen bzw. deutschen Sprache und bei ihrer Mobilität unterstützt. Die Doktorand:innen werden auch dabei unterstützt, selbst multidisziplinäre Ansätze umzusetzen, interdisziplinäre Themen zu identifizieren und interdisziplinäre wissenschaftliche Aktivitäten zu Nachhaltigkeitswissenschaften zu Papier zu bringen. So erwerben Nachwuchswissenschaftler zugleich auch Erfahrungen im Forschungsprojektmanagement und zur Durchführung wissenschaftlicher Veranstaltungen.

Doktorand:innen im Kolleg können für Aufenthalte im Partnerland vonbis zu 18 Monaten Dauer mit einer Mobilitätsbeihilfe in Höhe von monatlich 600 € gefördert werden. Reisen im Wohnsitzland können nicht gefördert werden. Die aktive Teilnahme am Ausbildungsprogramm des Kollegs wird erwartet.

Bewerben können sich Doktorand:innen, die

  • an einer der Partnerinstitutionen als Doktorand:in angenommen und eingeschrieben sind,
  • ein zum Themenfeld des Kollegs passendes Promotionsprojekt haben,
  • am Programm des Kollegs teilnehmen,
  • über Grundkenntnisse in Deutsch und Französisch verfügen.

Der Beginn des Promotionsstudiums sollte in der Regel nicht länger als drei Jahre zurückliegen.

Für die Bewerbung sind folgende Unterlagen (in deutscher oder französischer Sprache) einzureichen:

  • Motivationsschreiben (1–2 Seiten),
  • Lebenslauf,
  • Kopie des Annahmebescheids,
  • Exposé des Dissertationsprojektes
  • Arbeitsplan für Aufenthalt im Partnerland (3–5 Seiten),
  • Sprachnachweis.

Das Bewerbungsverfahren ist ein kompetitives Verfahren. Über die Aufnahme in das Kolleg entscheidet eine binationale Kommission.

Programmbeauftragte

Prof. Dr.-Ing. Nicole Saenger
Hochschule Darmstadt
vpf@h-da.de

Prof. Eric Chatelet
Université de technologie de Troyes
eric.chatelet@utt.fr

Zentrale Programmkoordination